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Vorankündigung zur Jahrestagung der AHF-Regionalgruppe
Nordwestdeutschland 2020
 
Die 32. Jahrestagung des Arbeitskreises für ländliche Hausforschung in Nordwestdeutschland und der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. wird vom 6. bis 8. März 2020 in Warendorf- Freckenhorst (Westfalen) stattfinden. Thema: Das Kirchdorf als Kristallisationspunkt ländlicher Strukturen?

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Die AHF-Regionalgruppe Nordwestdeutschland
Tagungen 1990 - 2018

 
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Eine Publikation mit Komplikationen

Lutz Volmer (Hrsg.): Musealisierte Häuser. Bausubstanz, Ideologien, Gründungspersönlichkeiten. Ausgewählte Referate der 28. Jahrestagung des Arbeitskreises für ländliche Hausforschung in Nordwestdeutschland (Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland, 129). Münster (Wax‧mann) 2018. Broschur, 212 Seiten, Farb- und S/W-Abb. ISBN 978-3-8309-3915-3, 39,90 Ђ.

Bereits im letzten Mitteilungsblatt wurde das Erscheinen des Bandes „Musealisierte Häuser angezeigt, der Beiträge der Jahrestagung 2016 der Regionalgruppe Nordwest des AHF enthält, die als „Arbeitskreis für ländliche Hausforschung in Nordwestdeutschlandseit nunmehr 30 Jahren in Kooperation mit der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. (IGB) jährliche Regionaltagungen veranstaltet, die regelmäßig von etwa 90 bis 120 Interessierten besucht werden. Hier nun eine etwas ausführlichere Vorstellung der Publikation nebst kritischer Stellungnahme zu einigen Hintergründen ihrer Entstehung.
 
Die Publikation
Die Tagung 2016 fand im Bauernhausmuseum Bielefeld statt (im Vorgriff auf das 100-jährige Eröffnungsjubiläum dieses 1917 gegründeten Museums), dessen Leiter, Dr. Lutz Volmer nach der in‧haltlichen Vorbereitung von Tagung und Exkursion auch den Tagungsband herausgegeben hat. Er wählte dafür die Reihe „Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland der Volkskundlichen Kommission für Westfalen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), in der bereits zwei frühere Tagungsbände (Bauen nach Vorschrift, 2002 als Band 102; Bauen in Etappen, 2015 als Band 124) – es sei vorweggenommen: ohne jede Komplikationen – erschienen waren. Die Tagung 2016 und der hier besprochene Band 129 widmen sich dem „zweiten Leben von Häusern, die, aus ihrer ersten, alltäglichen Nutzung gefallen, als Museumsstücke in erster Linie Kultur und Geschichte untergegangener Epochen transportieren sollen, seien sie in situ genutzt oder in der Region transloziert, seien sie Bestandteile größerer Freilichtmuseen oder kleinerer Museumshöfe.

Nach zwei einführenden Überblicken (Lutz Volmer: Zur Einführung; Fred Kaspar: Freilichtmuseum und Denkmalpflege – Partner oder Rivalen?) widmen sich die zehn aufgenommenen Aufsätze zwei der großen (Cloppenburg, Detmold), aber vor allem vielen der kleineren Freilichtmuseen (u. a. Bielefeld, Bremerhaven, Rah‧den, Stade, Syke, Warendorf, Wilsede) in Niedersachsen und Westfalen (je 4), Bremen und Schleswig-Holstein (je 1). Im Mittelpunkt aller Beiträge stehen, wie der Untertitel des Bandes verrät, nach der Bausubstanz der Häuser die Motive der handelnden Personen in der Gedankenwelt ihrer Zeit. Dementsprechend werden auch die nationalromantische wie die völkische Bewegung behandelt. Weiter gab es Anlass, die sachlicher erscheinenden und weniger ideologieverdächtigen jüngeren Argumentationen seit den 1960er Jahren in den Blick zu nehmen. Gemeinsam ist den beschriebenen Museumsprojekten, dass hinter der nicht selten pathetischen Sprache der Protagonisten ihre Trauer über die als Untergang erlebten Veränderungen der ihnen vertrauten Lebenswelten spürbar ist. Der für Nordwestdeutschland konzeptionell neue Ansatz eines städtischen Freilichtparcours mit musealen Häusern an verschiedenen Originalstandorten in der Stadt Warendorf beschließt den Band auch in seinem Zeithorizont.
In fast allen Beiträgen sind benachbarte Museen als Vergleichsbeispiele beschrieben; durch ein Orts- bzw. Museums-Register wäre der Charakter des Bandes als derzeit aktuellster Überblick zur Freilichtmuseumslandschaft Nordwestdeutschlands noch deutlicher hervorgetreten. Diese Kritik wiegt indes gering gegenüber einem Ärgernis im Zusammenhang mit der Herausgabe des Bandes.
 
Die Komplikationen
Getrübt wird die Freude über die neue Veröffentlichung nämlich durch die Weigerung der Reihenherausgeberin Elisabeth Timm, seit 2011 Professorin am Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie der Universität Münster und zugleich Vorsitzende der Volkskundlichen Kommission für Westfalen, zwei weitere Beiträge, nämlich von Wolfgang Dörfler und Heinz Riepshoff, in den Band aufzunehmen. Beide waren mit ihren für das Thema jeweils wesentlichen Aspekten auf der Bielefelder Tagung mit viel Interesse verfolgt worden. Begründet hat Timm ihre Ablehnung sehr pauschal und mäßig diskussionsbereit mit – sinngemäß – dem Fehlen einer „wissenschaftlichen Perspektive bzw. dem Unterschreiten der „wissenschaftlichen Argumentationshöhe der Publikationsreihe.

 
Das dahinter stehende Wissenschaftsverständnis zu diskutieren, ist hier weder Raum noch Anlass, denn tatsächlich erfüllen die beiden Aufsätze die bewusst sehr weit gefassten Kriterien, welche für den AHF und seine Regionalgruppen für die Aufnahme in Vortragsprogramme und nachfolgende Publikationen einzig maßgeblich sind: Die Texte müssen (1.) für die Hausforschung sowohl (a) erkenntnisreich als auch (b) neuartig sein und dürfen (2.) keine wissentlichen (a) Unwahrheiten und/oder (b) Verunglimpfungen enthalten, worunter (dies sei wegen des zeitlichen Horizonts vieler Tagungs- bzw. Buchbeiträge hervorgehoben) selbstverständlich auch eine Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus durch Verharmlosung der deutschen Verbrechen zählen würde. Ihre Argumentation muss darüber hinaus (3.) nachvollziehbar und überprüfbar sein. Nur durch eine so weite Fassung der Aufnahmekriterien wird es auch in Zukunft möglich sein, der volkskundlich-historischen Hausforschung durch Beiträge unterschiedlicher thematischer Weite und theoretischer Tiefe von BeiträgerInnen verschiedenster Professionen, Erfahrungshorizonte und Erkenntnisziele die benötigten inhaltlichen, methodischen und theoretischen Impulse zuzuführen.
Dass die Beiträge von Dörfler und Riepshoff diese Kriterien erfüllen, wird aus Sicht des AHF uneingeschränkt bestätigt – nicht nur durch den Abdruck befürwortende Voten des Bandherausgebers sowie des zuständigen Redakteurs bei der Volkskundlichen Kommission, sondern allein schon durch den Blick in die fast unzählbaren einschlägigen älteren Publikationen beider Autoren und vor allem in die beiden Aufsätze selbst, die mittlerweile an anderer Stelle publiziert bzw. ins Internet gestellt sind:
 
Heinz Riepshoff: Häuslingshaus, Bauernhaus, Spargelmuseum – die steile Karriere eines musealen Gebäudes. In: Kreismuseum Syke (Hg.): Materialien zur Alltagsgeschichte, Hausforschung und Kultur im Landkreis Diepholz und benachbarten Regionen 4 (2018), S. 222-231.
 
Wolfgang Dörfler: Das Freilichtmuseum als „Museum in uns – Einleitungsreferat zum Thema  „Musealisierte Häuser in Bielefeld  2016. In: Rotenburger Schriften 99 (2019), S. 1-24.
Eine persönliche Stellungnahme des Autors zum Vorgang erscheint in: Der Holznagel. Zeitschrift der Interessengemeinschaft Bauernhaus.
 
Möglichkeit zum
Download beider Beiträge: www.hausforscher.de/Downloads.
 
Das Studium beider Beiträge macht auch die Lücken offenbar, die in den Band durch ihren Nicht-Abdruck gerissen wurden: Riepshoff behandelt u. a. in besonderer Deutlichkeit die ideologisch motivierte Uminterpretation der Baugeschichte beim musealen Wiederaufbau eines Hauses. Dörfler, der das Tagungsthema persönlich vorgeschlagen hatte, beschreibt u. a. (als teilnehmender Akteur besonders authentisch) auch die letzte Welle von „Gebäuderettungen und Heimathausgründungen in seiner Heimatregion, dem Elbe-Weser-Dreieck, seit den 1970er Jahren und thematisiert auch den Untergang solcher musealer Anlagen in der Vergangenheit.
Wir bedauern, dass das Erscheinen der beiden Aufsätze in dem gemeinsamen Tagungsband verhindert wurde und wünschen ihnen – wie natürlich auch dem Tagungsband „Musealisierte Häuser – eine zahlreiche Leserschaft. Der Vorgang selbst ist – nicht zuletzt wegen der Bekanntheit beider Autoren durch ihr ehrenamtliches Engagement an führenden Stellen der IG Bauernhaus und vor allem ihre Rolle als Mitinitiatoren und wesentlichen Trägern der Regionalgruppe Nordwest – in weiten Kreisen auf Unverständnis gestoßen und zum Ärgernis geworden. Für viele aktive TeilnehmerInnen der Tagungen der Regionalgruppe Nordwest bis hinein in die Reihen von Vorstand und Arbeitsausschuss des AHF ist damit eine weitere Zusammenarbeit mit der Volkskundlichen Kommission für Westfalen bzw. ihrer Vorsitzenden zumindest bei der Herausgabe von Tagungsbänden ausgeschlossen. Dem Renommee der Volkskundlichen Kommission scheint ihre Vorsitzende damit nach unserer Beobachtung ein Bärendienst erwiesen zu haben. Ihr unangemessenes Agieren hat den Kooperationsmöglichkeiten der Kommission mit volkskundlich interessierten Nicht-VolkskundlerInnen innerhalb einer seit etlichen Jahren erfolgreich praktizierten „Citizen Science (= Bürgerwissenschaft, Offene Wissenschaft) nachhaltigen Schaden zugefügt.

Vorstand und Arbeitsausschuss des Arbeitskreises für Hausforschung, im April 2019